Social Media Marketing – Risiken und Nebenwirkungen
Sebastian GrandtNachdem wir an dieser Stelle ja bereits über erfolgreiche Social Media-Aktionen berichtet haben, soll es heute um die Risiken und Nebenwirkungen solcher Aktionen gehen.
Kennen Sie Pril?
Die Spülmittel-Marke Pril (Henkel) hat sich etwas ganz Besonderes für ihre Kunden und Fans ausgedacht: Die Aktion „Mein Pril – mein Stil“.
Ziel der Aktion ist es, zwei von Usern gestaltete Pril-Flaschen als „limitierte Design-Edition“ in den Handel zu bringen. Die Nutzer können hier ganz individuell Flaschen entwerfen und über die Entwürfe anderer User abstimmen.
Generell eine gute Idee. Der Spieltrieb der Fans und User wird geweckt. Die Aktion findet positiven Anklang. Durchaus ansehnliche Pril-Flaschen werden von der Community gestaltet. Und wenn man sich die Top 10 anschaut, sind da bereits einige wirklich gelungene und vermutlich auch für Pril mit gutem Gewissen umsetzbare Entwürfe zu sehen. Die Entwürfe tragen klangvolle und zum Thema passende Namen wie „Frühlingsmeer“, „Frühling“ oder heißen schlicht „Mr. Pril“ und tragen Gürtel und Krawatte.
Aber – wie fast immer, wenn die Kreativität der Internet-Öffentlichkeit herausgefordert wird – gibt es Überraschungen.
Pril schmeckt lecker nach Hähnchen!
Derzeit auf Platz eins des Votings ist die Flasche „Hähnchen“ des Users Peter. Mit fast doppelt so vielen Stimmen, wie die Flasche auf Platz 2. Braun als dominante Farbe entspricht nun ganz sicher nicht den Pril-Farben, die man sich vorgestellt haben dürfte. Und auch sonst passt die Flasche mit krakelig gezeichnetem Hähnchen-Umriss und Schriftzug „schmeckt lecker nach Hähnchen!“ nicht so ganz zum bekannten Pril-Stil.
Die Kollegen bei Pril haben sich in den Teilnahmebedingungen klugerweise dagegen abgesichert, dass hier die Votings quasi gekapert werden und zu einem – möglicherweise mindestens schwierigen – Ergebnis führen, welches so nicht gewünscht ist. Denn am Ende wählt eine Jury aus den Top 10 aus, welche zwei Flaschen in die Produktion gehen.
Gut so. Denn nur mit fairen und bereits während der Aktion einsehbaren Begründungen lässt sich vermeiden, dass die User pikiert reagieren.
Das Gewinnermotiv mit fadenscheinigen Argumenten vom Wettbewerb ausschließen ist zwar im Zweifel meist auch möglich, zieht aber mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Rattenschwanz negativer Berichte nach sich. In Gang gebracht hat das ganze immerhin auch ein Tweet. Das Social Web liest sozusagen mit.
Nichtsdestotrotz bleibt abzuwarten, wie auf dieses Ergebnis von Seitens des Veranstalters eingegangen wird und ob der Entwurf in die Produktion geht.
Während man bei der Benennung der White Horse-Bridge am Londoner Wembley-Stadium seinerzeit noch mit wenig Humor auf das Abstimmungsergebnis ("Dietmar Hamann-Bridge") reagierte und sich gegen den Sieger der Abstimmung entschied, zeigen andere wie z.B. OTTO, dass Humor durchaus angebracht ist und arbeiten so an einer Position als Sympathieträger.
Vergessen Sie bei aller Euphorie für Social Media nicht:
- Sie sprechen mit Ihren Angeboten nicht ausschließlich wirkliche Fans an.
- Das Ergebnis mag sich deutlich von Ihren Erwartungen unterscheiden.
- Sie sollten Flexibilität zeigen und positiv auf das Ergebnis reagieren. Auch und gerade wenn es nicht Ihren Erwartungen entspricht.
- Sie sollten Humor haben und zeigen.
- Das Kreative Potential der User ist oft größer, als Sie wahrscheinlich denken.
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