MediaAnalyzer Blog
13Jan/122

ING-DiBa im “Shitstorm” – Wurstwerbung macht Vegetarier wild

Tobias Priemuth

Zum neuen Jahr nimmt man sich meist etwas Gutes vor, ich z.B. möchte noch stärker auf Fleisch verzichten. Dies wird mir hoffentlich leicht fallen, da ich friedlich mit einer Vegetarierin zusammen lebe. Bei uns zu Hause gibt es kein Fleisch zu essen, was ich gut akzeptieren kann, dafür akzeptiert sie, dass mein Steak im Restaurant auch mal leicht blutig ist. Nicht ganz so friedlich verläuft die Diskussion zwischen Vegetariern/ Veganern und Fleischessern im Internet, was zunächst einmal nicht verwunderlich ist. Verwundert hat mich dann aber doch, dass diese Diskussion auf der ING-DiBa Facebook-Seite stattfindet.

Wie ist es dazu gekommen?

Es geht dabei um einen Werbespot der ING-DiBa mit Dirk Nowitzki, in dem er eine Scheibe Wurst angeboten bekommt, "damit er groß und stark wird".

Mit Dirk Nowitzki kann man im Moment eigentlich nichts falsch machen, schon gar nicht nachdem er als erster Deutscher die NBA-Meisterschaft gewonnen hat. Aber das Social-Web hat seine eigenen Gesetze und so bekommt die ING-DiBa derzeit die Dynamik des Social-Web mit voller Wucht zu spüren.

Ein Facebook-User schreibt am 2. Januar auf der Seite von ING-DiBa, dass er als "Nichtfleischesser" die Werbung unmöglich finde. Soweit so gut. Daraufhin bricht aber aus, was man einen Shitstorm nennt:

Auf die Facebook-Seite der ING-Diba strömen zuerst die Vegetarier, dann die Veganer und schließlich die Fleischfresser. Eine hitzige Debatte entspinnt sich da. Mittlerweile geht es auf der Pinnwand der ING-DiBa kaum noch um Finanzen, dafür umso mehr um die hochmoralische Frage, inwieweit Fleischkonsum vertretbar ist bzw. propagiert werden sollte. Eine fanatische, endlose, sich im Kreis drehende Diskussion über Pro und Contras des Fleischkonsums bricht aus. Es werden dogmatische Positionen vertreten und Fleischesser und die ING-DiBa als Förderer einer Tötungs-Industrie stigmatisiert.

Irgendwann eskalierte die Diskussion und schließlich ruft die Bank die Debattenteilnehmer zur Mäßigung und zu fairem transparenten Verhalten auf. Die ING-DiBa lässt die Diskussion aber weiterhin zu, was viele User auch durchaus begrüßen. Andere bemängeln, dass die ING-DiBa hier nicht eingreift oder zumindest moderiert und so ihre Facebook-Seite aus der Hand gibt. Ein normaler “Geschäftsbetrieb” auf der ING-DiBa Facebook-Seite findet jedenfalls nicht mehr statt.

Der Imageschaden für die Bank dürfte dennoch, wenn überhaupt, minimal sein. Die Frage ist allerdings: Wie geht man mit derartigen Reaktionen um? Für den Moment dürfte die Zurückhaltung der ING-DiBa jedenfalls eher richtig als falsch sein. Zu stark regulierendes Eingreifen würde in Kürze zu wesentlich lauteren und möglicherweise problematischen Zensur-Vorwürfen führen.

Und doch zeigt der Fall wieder einmal die Kraft und die Eigendynamik des Social Web. Wer hätte gedacht, dass eine Scheibe Wurst zu so etwas Großem werden würde - die ING-DiBa wohl am wenigsten.

EDIT am 18. Januar 2012:

Inzwischen hat die ING-DiBa doch noch reagiert:
ING-Diba stoppt den Wurstkrieg

Herzlichen Glückwunsch zu so viel Feingefühl und den gekonnten Umgang mit Social Media!

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Kommentare (2) Trackbacks (3)
  1. Hallo,

    den Fall der ING-DiBa habe ich auch in meinem Beitrag zu Auslösern von Shitstorms aufgenommen. In dem Beitrag geht es darum, wie der Verstoß gegen gesellschaftliche Werte zu Shitstorms führen kann.

    Über kritische Kommentare, Likes und Shares würde ich mich freuen!
    https://www.facebook.com/ShitstormSchnueffler/posts/300635360036109
    http://bit.ly/shitstorm_ursachen

    Viele Grüße aus Münster

  2. Es ist schon unglaublich zu sehen, welche Auswirkungen eine Werbung allein haben kann. Das wird auf das Unternehmen der Ing Diba ganz sicher kein gutes Licht werfen.


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